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Zeitungsbericht (Barmstedter Zeitung)

Bestehende Verträge mit wilhelm.tel werden storniert / Stadtwerke Elmshorn starten in mehreren Baugebieten

Glasfaser kommt nach Kölln-Reisiek, aber nicht vom Breitbandzweckverband. Imago

 

Silvia Dammer KÖLLN-REISIEK Noch vor zwei Wochen rührte Bürgermeisterin Kerstin Frings-Kippenberg kräftig die Werbetrommel, um die Kölln Reisieker zu bewegen, sich vertraglich für einen Anschluss ans schnelle Glasfasernetz zu entscheiden. Es ging insbesondere um jene Haushalte, die in der Gemeinde in den sogenannten weißen Gebieten leben und mit einer Übertragungsrate von weniger als 30 MBits/s im Internet surfen. Nur wenn sich 50 Prozent dieser Klientel für einen Anschluss entscheiden würde, könnten der Breitbandzweckverband Marsch und Geest (BZMG) das schnelle Netz bauen und sein Partner Wilhelm.tel aus Norderstedt die Haushalte mit Internet, TV und Telefonieprodukten beliefern.

Jetzt stehen die Stadtwerke Elmshorn bereit. Sie bieten der Gemeinde an, das Glasfasernetz durch den ganzen Ort zu ziehen. „Nach intensiven Gesprächen der Stadtwerke Elmshorn mit dem Amt Elmshorn Land, der Gemeinde Kölln-Reisiek und dem Zweckverband Breitband Marsch und Geest ist die Entscheidung klar: Die Gemeinde Kölln-Reisiek wird vollständig durch die Tochtergesellschaft der Stadtwerke Elmshorn, E.Net GmbH & Co. KG, mit Glasfaser ausgebaut“, teilten die Stadtwerke gestern mit. Damit schaffen die Stadtwerke Elmshorn eine völlig neue Situation sowohl für die Gemeinde als auch für den Breitbandzweckverband.

Der BZMG hat sich zum Ziel gesetzt, seine 18 Mitgliedsgemeinden schnellstmöglich mit einem gigabitfähigen Glasfasernetz zu versorgen. In einem ersten Schritt nutzt er Fördermittel von Bund und Land für den Ausbau des Netzes. Die Förderrichtlinien geben vor, dass nur unterversorgte Haushalte mit Fördermitteln ausgebaut werden dürfen. In Kölln-Reisiek wären das 2700 von insgesamt 10 000 Haushalten, also zirka 35 Prozent. Ein Teil dieser Haushalte hatte bereits Verträge mit dem Netzbetreiber wilhelm.tel geschlossen.

Dass die Stadtwerke Elmshorn jetzt in Kölln-Reisiek mit dem Breitbandausbau starten wollen, liegt laut Stadtwerken daran, dass sie im Ort bereits über eine umfangreiche und nutzbare Leerrohrinfrastruktur verfügen.

Im Ergebnis der gemeinsamen Gespräche zieht sich der BZMG nun auch aus Kölln-Reisiek zurück.

Bereits vor einem Monat hatte er seine Ausbaupläne für Seeth-Ekholt aufgegeben, wo die Stadtwerke Barmstedt ebenfalls den gesamten Ort an die leistungsstarke Datenautobahn anschließen.

Was die in Kölln Reisiek geschlossenen Verträge mit wilhelm.tel betrifft, teilte die Pressestelle der Stadtwerke Elmshorn mit, dass mit dem Stopp des Breitbandausbaus durch den BZMG auch dem Netzbetreiber wilhelm.tel die technische Grundlage für die Lieferung seiner Dienste fehle. Er werde alle bereits unterschriebene Aufträge aus Kölln-Reisiek im Zuge des Förderprojektes stornieren und dies den Kunden in den kommenden Tagen schriftlich mitteilen.

Beginnen soll der Netzausbau seitens der Stadtwerke in den Baugebieten 16, 17, 18 und 19. Die Bewohner in den entsprechenden Straßen hatten dazu Informationsschreiben erhalten.

„Wir werden die ersten Kunden in Kölln-Reisiek noch in diesem Jahr anschließen“ so Sören Schuhknecht, Werkleiter der Stadtwerke Elmshorn. Insgesamt rechnet er mit rund zwei Jahren Gesamtbauzeit. Zunächst werde das Netz mit Breitbandkabeln und Vermittlungstechnik gebaut. Im Zuge dessen werden die Interessenten direkt mit dem Hausanschluss versorgt. Aufgrund bereits vorhandener Infrastruktur ist der Tiefbau beispielsweise in den Neubaugebieten nur im kleinen Rahmen nötig. „Wir sind an keine Quote für den Gesamtausbau der Gemeinde

gebunden“, erklärt Sören Schuhknecht, „Für unsere Planung und Bebauung müssen wir jedoch zeitnah wissen, wer sich mit einem Hausanschluss anschließen lassen möchte“, ergänzt Steffen Perszewski, Prokurist der E.Net GmbH & Co. KG.

„Ich freue mich für unsere Bürger, dass nun alle vom Breitband profitieren sollen“, sagt Bürgermeisterin Kerstin Frings-Kipptenberg gegenüber unserer Zeitung. Jedoch: „Ich hätte mir für den Einstieg der Stadtwerke in die Breitbandversorgung einen anderen Zeitpunkt gewünscht.“ Einen viel früheren, wie sie erklärt, denn dann hätten sich Gemeinde und Breitbandzweckverband viel Planungsarbeit und Geld sparen können. Trotz der neuen Situation werde die Gemeinde dem Zweckverband zunächst weiter angehören.

Auch den BZMG hatten die Stadtwerke Elmshorn mit ihrem Vorstoß in Kölln-Reisiek überrascht. „Natürlich ist es besser, wenn eine Gemeinde zu 100 Prozent mit Glasfasernetz versorgt werden kann, als nur mit 35. Daher war unser Rückzug nur folgerichtig“, sagt Ines Nicolaisen vom BZMG. Aber auch sie bemängelt: „Es wäre schön gewesen, wenn alles ein bisschen eher kommuniziert worden wäre.“

Das Ausbaugebiet 4, zu dem Kölln-Reisiek gehört, sei schon beplant worden. Das sei, auch wegen der erforderlichen Genehmigungsverfahren mit Kosten verbunden, von denen der Zweckverband 50 Prozent selbst tragen müssen. Kölln-Reisiek ist der zweite Ort nach Seeth-Ekholt, den der Zweckverband an Stadtwerke verliert, und in Ellerhoop hatte er vor einer ähnlichen Situation gestanden. Dort bleibt es aber dabei, dass die weißen Gebiete vom Breitbandzweckverband Marsch und Geest ausgebaut wer den.